1301 starb der letzte Arpade. Die Territorialherren, unter ihnen als eine der mächtigsten Familien die Güssinger, hatten den Zenit ihrer Macht erreicht. Um die Krone stritten zunächst Karl v.Anjou, Wenzel von Böhmen und Otto von Bayern. Erst 1310 wurde Karl v.Anjou endgültig mit der Stephanskrone gekrönt und galt seitdem als unanfechtbar. In den folgenden dreizehn Jahren gelang es ihm, in unzähligen Kämpfen die Königsmacht durchzusetzen. Sie endeten mit dem Untergang der Güssinger Macht.

Zunächst wurden die Güssinger von Karl v.Anjou durchaus hofiert. Ihre Macht war damals überaus groß. Johannes und Peter, die beiden Söhne des 1310 verstorbenen Ban Heinrich, besaßen riesige Eigengüter in Slawonien und Kroatien, Johannes war Gespan von vier Komitaten.

Die andere, in Westungarn wichtigere Linie war vertreten durch Nikolaus, dem Sohn Gregors und Enkel Iweins. Er war Gespan von Eisenburg, Ödenburg, Zala und wahrscheinlich auch von Wesprim, Raab und Wieselburg. Als er 1314 starb folgte sein jüngerer Bruder Andreas. Diese beiden Linien hatten unter Karl v.Anjou zunächst auch wichtige Hofämter inne. Dann gab es noch eine dritte Linie, die weniger bedeutend war. Ihr Haupt war Nikolaus Kakas (Kokosch, der Hahn), der auf burgenländischem Gebiet Lockenhaus und Rechnitz, daneben auch Kanizsa und Pölöske besaß.

1314 kam es zum Bruch mit dem König. Die slawonische Linie war daran schuld, bald wurden aber such die anderen Güssinger mit in die Wirren hineingezogen. Der Streit begann mit einer Erbschaftsfrage. 1313 starb der königliche Oberkämmerer Egidius von Moszlo, der in Slawonien große Besitzungen hatte. Einer seiner Erben war sein Schwiegersohn Nikolaus aus dem Geschlecht der Aba (der auch einer der Besitzer von Landsee war). Johannes von Güssing aber wollte diese Erbschaft einziehen. Es gelang ihm, Nikolaus Aba in seine Hände zu bekommen. Er behandelte ihn äußerst grausam. Er ließ ihn nackt, an einen Pferdeschweif gebunden, um die belagerte Burg Atyina schleifen ...

Diese und andere Ereignisse, die Übergriffe gegen "seine Getreuen", dürften den König bewogen haben, Johannes als Oberstallmeister abzusetzen und ein Heer gegen die "Heinrichssöhne" auszuschicken. Drei Jahre lang dauerten die Auseinandersetzungen. Sie waren der Anfang vom Ende der mächtigen Güssinger. In einer Schlacht fielen zahlreiche Anhänger der Güssinger in die Hände des Königs. 1315 griff König Karl von Temesvar aus, wohin er seinen Hof verlegt hatte, die Güssinger in Südungarn und Slawonien erneut an. 1316 folgte ein großer, durch ein allgemeines Aufgebot sorgfältig vorbereiteter Feldzug, der für die Güssinger den Verlust zahlreicher Burgen zur Folge hatte. Zahlreiche Gefolgsleute fielen von Johannes von Güssing ab. Er hatte sie zuvor anscheinend oft mit Gewalt in seinen Dienst gezwungen. Wenn sie zum König überliefen haten sie die Chance, Karriere zu machen. Selbst Familienangehörige wie Nikolaus Kakas (der Hahn) huldigten König Karl. In der Folgezeit setzte sich der König immer mehr durch, auch gegenüber den anderen großen Territorialherrn. Die weiteren Kämpfe führten seine Feldherrn.

 
Während diese Kämpfe in Slawonien stattfanden wagte Andreas, der Herr der westungarischen Güssinger-Besitzungen, im Jänner 1317 einen Angriff auf die königlichen Städte Ödenburg und Raab, unterstützt von Teutonici, also von Österreichern. Die Städte hielten stand, er wurde von den Ödenburger Bürgern und Paul von Mattersdorf, dem späteren Hofrichter, geschlagen. Der Stadtrichter von Ödenburg wurde für seine Treue vom König belohnt (BUB III, 101). Auch seinen königstreuen Vetter, Nikolaus den Hahn, griff er in Rechnitz und Lockenhaus an - ohne Erfolg. Im Herbst 1317 mußte sich Andreas König Karl unterwerfen. Daß an seiner Niederwerfung auch Österreicher beteiligt waren, zeigt die Neuordnung Westungarns. Rudolf von Pottendorf wurde sein Nachfolger als Gespan von Ödenburg (1317-1318), Paul von Mattersdorf wurde Gespan von Raab. Andreas verlor alle seine Ämter und auch einige Burgen.

1319 wagte Andreas erneut den Aufstand, mit Hilfe von Verbündeten und Söldnern aus Österreich. Der König schickte Nikolaus Gutkeled, ab 1318 Gespan von Ödenburg und Kastellan von Kapuvar, sowie Lorenz von Csorna (Ahnherr der Kanizsai) gegen ihn. Sie eroberten Kobersdorf und errangen vor Güns einen großen Sieg. Viele Österreicher im Heer des Andreas wurden dabei gefangengenommen. Andreas selbst aber wurde vom König wieder in Gnaden aufgenommen. 1321 war er schon wieder Gespan von Eisenburg und blieb es bis zu seinem Tod 1324. Güns, Güssing und Sarvar blieben in seinen Händen. Auch Nikolaus Kakas, diesmal am Aufstand beteiligt, wurde besiegt. Er verlor seine Ämter und Teile seiner Besitzungen. Seine Stammburgen Rechnitz und Lockenhaus durfte er aber behalten. 1320 kam es auch in Slawonien zum Friedensschluß. Die Güssinger behielten auch dort noch viele Herrschaften.

1326/27 kam es erneut zum Krieg der "Heinrichsöhne". Dieser letzte Aufstand in Slawonien bewog den König offenbar, auch die Macht der Güssinger in Westungarn nunmehr endgültig zu brechen. Dort war auf Andreas dessen Onkel Johannes der Wolf (Farkas) gefolgt. Der Hofrichter Alexander drang in das Komitat Eisenburg ein und übernahm Güssing, Güns und Sarvar. Nur Bernstein wurde den Güssingern noch belassen.

Das letzte Kapitel im Niedergang der Güssinger begann 1336. Während eines Krieges zwischen Ungarn und Österreich anerkannten die Güssinger die Lehensherrschaft der Habsburger Albrecht II. und Ottos. Erst 1339 kam es zum Frieden zwischen dem König und den Söhnen des inzwischen verstorbenen Johannes von Güssing. Die drei Söhne wurden wieder in die Gnade des Königs aufgenommen, ja sogar mit besonderen Vorrechten ausgestattet.

Heinrich , der jüngste der Farkassöhne, wurde Ahnherr der Familie Tamási (1444 ausgestorben); Johannes von Bernstein verlor während des Krieges mit den Österreichern seine Herrschaft; er floh nach Österreich und wurde dort der Begründer der Familie Pernstein. Die Nachkommen der Nikolaus Kakas verloren Lockenhaus, 1403, nach einem Aufstand, auch Rechnitz. Sie behielten eine Herrschaft in Slawonien, wo sie im 15.Jh. ausstarben.



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