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Der kleine Ort im Nordosten des Bezirkes Oberpullendorf ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Kobersdorf.

Ortsnamensformen: 1302 Peturnymeti (nach dem Osl- Zweig der Nemeti), 1346 Péter nemty

Aus urgeschichtlicher Zeit liegen keine Funde vor. Mit einer Besiedlung in der Bronze- und Eisenzeit ist aber zu rechnen. Die reich ausgestatteten Gräber von Pitten oder etwa die bronzezeitlichen Grabhügel von Sieggraben beweisen die Besiedlung. Durch das Schwarzbach- und das Zöberntal gab es vermutlich wichtige Handelsstraßen. In der Völkerwanderungszeit haben sich anscheinend slawische Kolonisten in den bewaldeten Randgebieten der Oberpullendorfer Bucht angesiedelt. Die zum Teil slawischen Gewässernamen zeugen davon, etwa 1222 Zarannuk Potok = Grenzbach. Eine karolingerzeitliche deutsche Besiedlung ist zunächst nicht nachweisbar nachdem die Forschung die Gleichsetzung von Kundpoldesdorf aus der Schenkungsurkunde Ludwigs des Deutschen mit Kobersdorf aufgegeben hat. Für eine eine sehr frühe Kirche spricht das Peter-Pauls- Patrozinium von Petersdorf.

Mittelalter

Ein überaus bemerkenswertes Baudenkmal ist die Kirche auf einem Hügel beim Dorf. Die Wehrkirche, ein schlichter rechteckiger Bau mit überaus starken Mauern, weist romanische Bauelemente auf. Sie gehört ohne Zweifel zu den ältesten Kirchenbauten der Region. Es wird vermutet, dass das Gebäude ursprünglich ein "festes Haus" der Osl war und später in eine Kirche umgewandelt wurde. 1302 wird sie jedenfalls schon als "ecclesia incastellata", also als befestigte Kirche, bezeichnet. Bei der Kirche wurde ein romanischer Karner entdeckt. Rätsel gibt der Maurerberg oder Mauerberg auf der anderen Seite des Tales auf. Mauerreste können nicht zugeordnet werden. Unter den Grafen Kery wurde Oberpetersdorf zur Mutterpfarre erhoben.

Das "Dorf des Grafen Peter" aus der Familie Nemeti wird 1222 erwähnt. Die Nemeti waren ein Zweig des weitverbreiteten und mächtigen Geschlechtes der Osl. Die Nennung erfolgt in einer Urkunde des Königs Andreas II. für Pousa, wahrscheinlich aus dem mächtigen Geschlecht der Csák. In dieser Urkunde werden die Grenzen der Schenkung genau beschrieben und dabei zahlreiche Bäche erwähnt. Neben Petersdorf wird noch ein zweites Dorf des Grafen Peter erwähnt, am Sikryn-Potok. Vermutlich handelte sich dabei um Sieggraben. 1228 wird dann wieder der Comes Peter in einer Urkunde genannt, 1237 dann sein Sohn Peter II. Dieser hatte fünf Söhne, von denen Dionys offenbar ein kriegerischer Mann war. Er begleitete den Ungarnkönig Ladislaus IV. auf verschiedenen Kriegszügen, unter anderem war er auch in der Schlacht bei Dürnkrut gegen Przemysl Ottokar mit dabei. Als Belohnung erhielt er Agendorf, dessen früherer Besitzer, ein Peter aus der Kleinadelsfamilie der Agendorfer, 1279 wegen Hochverrats als Ödenburger Burggraf hingerichtet worden war. Einiges ist auch über den Bruder des Dionys, Peter III., bekannt. Er verpfändete sechs Bauernhöfe in Krensdorf an Perlup von Rohrbach, der mit den Sur verschwägert war und damit ebenfalls zur Osl-Verwandtschaft gehörte. Dieser verkaufte sie dann weiter an Martin, Sohn des Paul von Pöttelsdorf.

Um 1300 kam jener Prozess in Gang, der schließlich Oberpetersdorf in die Hand der Mattersdorf-Forchtensteiner brachte. Die Nemeti waren damals offenbar schon ziemlich verschuldet, wie viele andere Osl-Sippen auch. Peter IV., der Sohn Peters III. und sein Vetter Johann, Sohn des Andreas Nemeti, verpfändeten ihren Besitzanteil in Großhöflein und Krensdorf an Graf Michael von Mattersdorf - Forchtenstein. diese Anteile wurden zwar wieder zurückgegeben, dafür erhielten die Forchtensteiner aber vor dem Palatin Johann von Güssing den Besitzanteil der Nemeti in Petersdorf und Sieggraben. Dieser Vertrag wurde einige Monate danach auf Wunsch Simons II. von Mattersdorf vom Raaber Bischof Theodor bei einem Aufenthalt in Ödenburg bestätigt. Schließlich verkauften 1302 - nur wenige Wochen später- alle Familenangehörigen ihre Besitzungen in Petersdorf und Sieggraben, ihren zu ungeteilter Hand bewirtschafteten Erbbesitz, um 200 Mark Wiener Breitpfennige an die Brüder Michael und Simon II. von Mattersdorf-äForchtenstein. Peternemetis Lage wird dabei genau beschrieben: "in terminis Teotonie, inter castrum Kobold a parte meridionali et inter villam Martini ... a parte orientali". Etwas später verkauften die Nemeti dann auch Schritt für Schritt ihre übrigen Besitzungen, zum kleineren Teil an die mit ihnen verwandten Kanizsai, zum größeren Teil an die Mattersdorf-Forchtensteiner. In den 1330er Jahren starben sie aus.

In der Urkunde von 1302 sind zwei Stellen beachtenswert. Erstens wird die "ecclesia incastellata" von Oberpetersdorf erwähnt. Der Kirche sieht man bis heute ihren Wehrcharakter an. Mit starken Mauern aus Bruchsteinen, bis eineinhalb Meter dick, zeigt sie alle Merkmale einer "Burg" aus dem 12. Jahrhundert. Burgen waren damals ja lediglich turmartige "feste Häuser". In der Urkunde heißt es zweitens "Possessionem hereditariam Petur - Nemeti una cum Sykrems", also das erbliche Dorf Petersdorf mit Siegraben. Wahrscheinlich war Sieggraben damals nicht bewohnt. Erst 1447 wird Ziehkremp als Teil der Herrschaft Kobersdorf wieder genannt, bald darauf aber von Kobersdorf getrennt und Forchtenstein angeschlossen. Es war damals vermutlich ein herrschaftliches Allodialgut, das man den herrschaftlichen Wäldern zuschlug. Erst nach 1450 dürfte der Ort wieder besiedelt worden sein, wahrscheinlich als Holzbauern- und Köhlerdorf.

Mit dem Kauf durch die Mattersdorf Forchtensteiner kam Oberpetersdorf zu einem mächtigen Herrschaftskomplex. Das aus Spanien stammende und mit Konstanze von Aragon nach Ungarn gekommene Geschlecht hatte sich im Mongolensturm bewährt. Als Verbündete der Güssinger wurden sie allerdings in die Güssinger Fehde verwickelt. 1319, also nur wenige Jahre nach dem Erwerb von Oberpetersdorf, kamen die Mattersdorf - Forchtensteiner auch in den Besitz der Herrschaft Kobersdorf. Burg und Siedlung Kobersdorf wurden in der Zeit von 1222 bis 1229 von Pousa aus der Familie Csák angelegt. 1289 wurde Kobersdorf im Zuge der Güssinger Fehde von Herzog Albrecht von Österreich erobert und erst 1291 wieder an Ungarn zurückgegeben. Mit dem Erwerb der Herrschaft Kobersdorf, die die Mattersdorf- Forchtensteiner nahezu 200 Jahre lang behielten, war die Verbindung Oberpetersdorf mit Kobersdorf vorgegeben.

Die Zeit unter den Mattersdorf - Forchtensteinern war nicht immer friedlich. Im ausgehenden 14. Jahrhundert, in einer Schwächephase der Forchtensteiner Grundherrn, tobten heftige Grenzfehden, wobei vor allem die Kaufleute aus Ödenburg in Mitleidenschaft kamen. In Kobersdorf hatten unter dem Burggrafen Wölfel Schwarz "Räuber" Zuflucht gefunden, etwa der später gehenkte Michael von Und und 1399 wurde ein Räuber namens Gerstenberg festgenommen. Unter Wilhelm, den letzten Forchtensteiner, der zumeist in Kobersdorf residierte, verbesserte sich das Verhältnis zu Ödenburg. Wilhelm verpfändete die Burg 1441 Herzog Albrecht VI. von Österreich, der sie 1447 um 150 000 ungarische Gulden kaufte, aber schon 1451 seinem Bruder, dem späteren Kaiser Friedrich III., weiterverkaufte. Wilhelm starb einige Monate nach dem Verkauf erbenlos.

Zur Herrschaft Kobersdorf gehörten bis ins 16. Jahrhundert der Markt Kobersdorf, Weppersdorf, Stoob, Kalkgruben und Oberpetersdorf und ein kleines Gut zwischen Neutal und St.Martin, das spätere Schwabenhof. Im 16. Jahrhundert entstanden die Dörfer Tschurndorf, Lindgraben und Neudorf. 1783 wurde wieder Sieggraben angeschlossen.

Unter den Habsburgern wurden die Herrschaften Forchtenstein und Kobersdorf in die Grenzkämpfe und Ständekämpfe hineingezogen. In den Friedensverträgen von 1463 und 1491 blieben die Burgen im Besitz der Habsburger, wurden aber immer wieder verpfändet. 1463 war Sigmund von Weispriach Inhaber. Anscheinend hatte er längere Zeit in Kobersdorf seinen Sitz. Wieder gab es Konflikte mit Ödenburg. Die Weispriach huldigten Matthias Corvinus und setzten ihren Aufstieg fort, indem sie geschickt zwischen Österreich und Ungarn lavierten. 1493 unter Maximilian kam Kobersdorf an Sigmund Prüschenk , vorübergehend an Wilhelm Baumkircher und dann wieder an Weispriach. Ulrich von Weispriach nannte sich wiederholt "Freiherr von Kobersdorf". Er starb 1510. Seine Witwe, die berüchtigte Gertraud, agierte aber von Landsee aus und führte mit Hilfe zweifelhafter Existenzen ihren "Privatkrieg" gegen Ödenburg. Ihr Sohn Johann machte Karriere. Als Obergespan von Ödenburg erwarb er ein großes Vermögen und versuchte Forchtenstein zu bekommen. Forchtenstein wurde 1533 an Jakob von Dürr verkauft und gelangte über Erasmus Teuffel in den Besitz Weispriachs. Christoph Teuffel von Krottendorf war um die Mitte des 16. Jahrhunderts Besitzer von Koberdorf, dann sein Schwager Johann Csorón von Devecser, der Schwiegersohn Weispriachs, der ihm Kobersdorf 1563 übergab. Csorón ist der Gründer von Tschurndorf. Unter Johann Weispriach wurden damals aus Ödenburg vertriebene Juden in der Herrschaft Kobersdorf angesiedelt. Unter den Weispriach, den Csorón und den folgenden Nadasdy wurde Kobersdorf evangelisch.

 

Frühe Neuzeit

1586 starb Csorón. Die Herrschaft wurde geteilt zwischen seiner Tochter Margarethe Nadasdy und seinem Schwiegersohn Stefan Balassa de Gyarmat. Es kam zu heftigen Konflikten mit den Untertanen. Dann erbten die Listy die Burg, die 1626 nach Ungarn "reincorporiert" wurde. Über die Familien Joó, Gregoroczy, Lippay ging Kobersdorf schließlich im 17. Jahrhundert an die Grafen Kery de Ipolykér über. 1704 erwarb Paul Esterhazy die Herrschaft käuflich.

Johann Weispriach war - wie damals nahezu der gesamte österreichische, steirische und Kärntner Adel - Protestant. Er tat alles, um die evangelische Lehre unter seinen Untertanen zu fördern. Auch sein Schwiegersohn Csorón war überzeugter Protestant. Bei seinen Untertanen war Weispriach nicht sonderlich beliebt. Die Judenansiedlung und die übermäßige Nutzung der Wälder wurden ihm vorgeworfen. Eine kaiserliche Kommission untersuchte die Vorwürfe gegen ihn, fand aber Burg und Meierhöfe in tadellosem Zustand und sehr ertragreich. In Kobersdorf wurde die Kommission abgewiesen, da die Herrschaft ja nicht im Pfandbesitz sondern im Eigentum war.

1564 gab es einen evangelischen Pfarrer namens Georg Mühlberger, der vermutlich die gesamte Herrschaft, also auch Oberpetersdorf betreute. Er traute den verwitweten Csorón mit einer Weppersdorferin namens Ursula. Erste Versuche einer Rekatholisierung wurden in Sieggraben gemacht, das kirchlich noch zu Oberpetersdorf aber zur Herrschaft Forchtenstein gehörte. Dort wurde 1583 ein katholischer Priester namens Andreas Resch eingesetzt, der offenbar den Auftrag hatte, auch nach Oberpetersdorf zu wirken. Er beklagte sich bei Erzherzog Ernst, dass der Freiherr Johann Csorón (Tschurey) den sektiererischen Prädikanten nicht abschaffte und ihm die Rechte und das Pfarreinkommen verweigerte. Er selbst sei in Lebensgefahr und in Sieggraben beleidige und schmähe man den Kaiser. Der Klosterrat gab dem Erzpriester Spillinger in Ödenburg den Auftrag, die Angelegenheit möglichst geheim - man wollte Csorón nicht verärgern - zu untersuchen. Resch musste anscheinend weichen. Ob es um die Jahrhundertwende in Sieggraben eine Kirche gab ist ungewiss. Ein Prädikant ist mehrfach bezeugt. Er hatte Zulauf aus der ganzen Umgebung. 1603 waren von den Untertanen des Neuklosters in Marz nur 5 katholisch, 20 aber besuchten den Gottesdienst in Sieggraben und kommunizierten in beiderlei Gestalt. Vermutlich besuchten sie die Kirche in Schwarzenbach, direkt an der Grenze zu Sieggraben. Sie diente bis 1636 als Pfarrkirche in Schwarzenbach. Dort wirkte seit 1574 ein weithin berühmter evangelischer Prediger, der Flacianer Nikolaus Fink. Später wurde Siegraben von Marz aus betreut, aber noch 1641 sind die Bewohner teilweise evangelisch. Damals gibt es in Sieggraben schon eine Kirche, aber noch keine Kirchengemeinde. 1659 waren die Einwohner noch Großteils Protestanten. 1663 wird berichtet, die Sieggrabener seien kürzlich katholisch geworden, aber noch immer sehr "lau". Die Nähe zu den evangelischen Kirchen in Weppersdorf - Kobersdorf und Oberpetersdorf wird sich wohl ausgewirkt haben.

Nach dem Tod Csoróns kam Kobersdorf an seine Schwiegersöhne. Margarethe hatte 1563 Christoph Nadasdy, den jüngeren Bruder des mächtigen Thomas Nadasdy geheiratet, Anna heiratete Stefan Liszti, Sohn des Raaber Bischofs Johann Liszti, der aber protestantisch erzogen worden war. 1589 kam unter Liszti der Weiner Prediger Blasius Rieder nach Weppersdorf - Kobersdorf. 1593 musste er gehen. Ein Flacianer wurde eingestellt. 1597 fand unter den Nadasdy wieder eine Visitation des Klosterrates statt. Pfarrer war ein Paul Frank. ZU seiner Pfarre gehörten Weppersdorf, Kobersdorf, Tschurndorf, Kalkgruben, Lindgraben und auch Oberpetersdorf. Vor der Kommission erschien niemand, der Pfarrer schickte ein Entschuldigungsschreiben.

Die Nadasdy waren überzeugte Protestanten. Palatin Thomas Nadasdy schickte schon 1550 junge Leute zur Ausbildung nach Wittenberg. Er stand mit Melanchthon in Briefkontakt. Sein Sohn Franz, der berühmte "Schwarze Beg", bemühte sich durch Synoden in Meszlen und Tschapring Lutheraner und Kalvinisten miteinander auszusöhnen. Auch sein Sohn Paul und seine Verwandten in Kobersdorf,Thomas und Ladislaus, waren Protestanten.1615 widmete dem Thomas Emmerich Zvonarits, Senior von Tschapring, die berühmte Streitschrift gegen Peter Pazman. die in Deutschkreutz gedruckt wurde. 1620 starb Thomas Nadasdy ohne Kinder. Die Herrschaft ging an einen Verwandten, Johann Joó.

Um 1616 hatte Oberpetersdorf einen eigenen evangelischen Pfarrer. Sein Name war Maguster Georg Horn. Er stammte aus Rothenburg und war auf Empfehlung des Pfarrers von Hernals, Johann Sartorius, in die Herrschaft der südburgenländischen Batthyany gekommen.1615 musste er dort den Calvinisten, "dren Liedlein er nicht singen wollte", weichen. In Peterdorf dürfte er bald Probleme bekommen haben und verließ den Ort nach kurzer Zeit. Er beklagte sich über die Petersdorfer, die in zwei Jahren fünf Prediger gehabt hätten. 1616 suchte er beim Ödenburger Stadtrat um die vakante Pfarre Wolfs an. Es könnte sein, dass die geringe Entlohnung der Grund für den Abgang war. 1618 ist in Kobersdorf-Weppersdorf ein Pfarrer Tobias Riedl nachgewiesen.

Mit dem Übergang der Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt an Nikolaus Esterhazy 1622 begann auch im Mittelburgenland der Druck auf die Evangelischen zu steigen, besonders als Johann Kery, der Schwager Esterhazys, die Herrschaft Kobersdorf 1638 erwarb. 1640 vertrieb Kery den Pfarrer Georg Textoris aus Kobersdorf. Trotzdem konnten sich auch weiterhin evangelische Pfarrer halten, 1640 ein Abraham Gigelmar aus Augsburg, dann ein Melchior Getschmann. 1650 hielt der evangelische Bischof Gregor Musay in Weppersdorf sogar eine Synode ab, auf der er Mag. Jakob Lagus weihte, der zuvor vier Jahre Rektor des berühmten Ödenburger Gymnasiums war. 1657 folgte Hieronymus Christpoph Foman aus Gotha. Auch er wurde vertrieben und kam in die Pfarre Loipersbach. 1664 war ein Wenzel Weingart Pfarrer.

Auf Johann Kery folgte sein Sohn Franz, der mit der streng katholischen Julie Szechy verheiretet war, der Tochter der fanatischen Katholikin Sara Draskovich. Der Bruder von Franz Kery, Johann, war Bischof von Csanád. Kery vertrieb Foman und bedrohte die Evangelischen mit Verlust von Hab und Gut und des Lebens. Sie mussten die Kirchenschlüssel herausrücken. In Stoob und Oberpetersdorf konnten sich die Evangelischen noch einige Zeit halten. 1652 war anlässlich einer Visitation Bischof Musays ein Georg Müller Pfarrer in Oberpetersdorf, mit Kalkgruben als Filiale. Lehrer war ein Tschainl aus Kirchberg. 1655 wurde Georg Wislitzen als Pfarrer in Oberpetersdorf ordiniert und wirkte dort 17 Jahre lang. Ein Angebot aus Güns lehnte er ab, da er befürchtete, Franz Kery würde nach seinem Abgang keinen evangelischen Pfarrer mehr dulden. 1671 ließ Kery Martin Schwab aus Stoob vertreiben. Adam Kichmayer, der Lehrer, führte die Eintragungen ins Kirchenbuch noch fort, solange es ging. 1672 ereilte auch dem Petersdorfer Pfarrer Wislicenus sein Schicksal. Er ging nach Güns, wo er nach der Wegnahme der Kirche in einer Scheune predigte. Bald musste er aber auch aus Güns fliehen. Er ging nach Dachsen, wo er 1677 Hofprediger des Grafen Johann Friedrich zu Solms-Wildenburg wurde. Im selben Jahr 1672 ist bereits ein katholischer Priester, ein Augustinereremitenpater namens Peter Quenin, wahrscheinlich ein Franzose oder Wallone, nachweisbar.

1682 gab es heftige Konflikte in Oberpetersdorf. Der Verwalter Miklossy ging mit Plünderungen und körperlichen Züchtigungen gegen die Evangelischen vor. Miklossy besaß nach dem Urbar von 1667 einen Freihof in Oberpetersdorf. 1683, im Türkenjahr, schickte Kery seine Familie in das sichere Österreich. Er selbst blieb in Kobersdorf. Auf Franz Kery folgte im Jahre 1700 Graf Johann II., königlicher Oberstallmeister. Auch er war ein Protestantenfeind. 1704 verkaufte er aber die Herrschaft an den Palatin Paul Esterhazy. Unter den Esterhazy verlor Schloss Kobersdorf an Bedeutung. Es diente lediglich noch als Witwensitz.

1711 gab es eine selbständige katholische Pfarre Kobersdorf, die vielleicht schon zu Kerys Zeiten eingerichtet wurde. 1755 wurde der Sitz der Pfarre von Oberpetersdorf nach Kobersdorf verlegt. Zu ihr gehörte als Filiale auch Oberpetersdorf. 1725 war ein Matthias Praunecker katholischer Pfarrer in Kobersdorf und Oberpetersdorf. Das Kirchengebäude in Kobersdorf war allerdings wesentlich älter, sie wies gotische Bauelemente auf. Die heutige katholische Kirche wurde 1728 erbaut.

Die Bevölkerung blieb überwiegend evangelisch. Die Gegenreformation war nicht mehr so heftig ausgefallen wie in den Esterhazyherrschaften, die Evangelischen konnten sich auch ohne Kirche und Pfarrer über die folgenden hundert Jahre behaupten. Die evangelische Kirchengemeinde entstand als Toleranzgemeinde neu. 1783 bauten die Evangelischen von Kobersdorf und Oberpetersdorf eine Kirche. Erster evangelischer Pfarrer war Samuel Waltersdorfer aus Modern bei Preßburg. 1785 wurde die evangelische Schule in Kobersdorf eingerichtet, ab 1888 bestand eine evangelische Schule in Oberpetersdorf.

Die wirtschaftliche Situation hatte sich nach dem Ende der Weispriach - Herrschaft, die durch vermehrte Leistungsforderungen zu Unruhen führte, unter der Verwaltung der niederösterreichischen Kammer und in Kobersdorf unter den neuen Besitzern verbessert. Erst unter den Esterhazy nahm der Druck auf die Bauern wieder erheblich zu.

Nach einem Urbar der Herrschaft Kobersdorf von 1702 gab es in Oberpetersdorf 11 Bauern mit einem halben Lehen und 4 Hofstättler sowie eine Mühle. 1785 gab es in Obberpetersdorf 41 Häuser mit 288 Bewohner. Zu dieser Zeit gab es schon Hafner. 1783 heiratete ein Matthias Seckel nach Oberpetersdorf, 1800 ist ein Matthias Bischof Hafnermeister.

Nach dem Urbar von 1767 hatte eine ganze Ansässigkeit 22 Joch Acker und 6 Tagwerk Wiesen. Insgesamt gab es im Dorf 8 ganze und 1 5/8 Ansässigkeiten mit zusammen 187 Joch Grund und 53 Tagwerk Wiesen. Es gab 20 Höfler, die meisten mit einer halben Ansässigkeit, mit 10 2/8 Joch Acker und 3 Tagwerk Wiesen, zwei 5/8, eine 3/8 und einige 2/8 - Ansässigkeiten, Söllner mit und auch 11 Söllner ohne Haus. Insgesamt mussten 484 Tage Zug- und 1316 Tage Handrobot geleistet werden. Eine ganze Ansässigkeit hatte einen Tag pro Woche Zugrobot, zur Zeit des Heumachens, der Ernte und der Weinlese die doppelte Anzahl. Jeder behauste Söllner hatte 18 Tage, jeder unbehauste 12 Tage Handrobot zu leisten. Der Herrschaft zahlten sie 32 insgesamt Gulden Zins und lieferten 8 5/8 KLafter Holz, 52 Pfund Gespunst, 7 Halbe Schmalz, 29 Kapauner, 28 Hühner und 196 Eier. Das Neuntel wurde in Geld abgelöst. Einige Leistungen wurden durch das Urbar abgeschafft, etwa Verlassenschafts-, Inventur- und Teilungstaxen. Tabak, Wachs, Schmalz, Flachs, Hanf u.a. dürfen frei verkauft werden. Die Herrschaft hat jedoch das Vorkaufsrecht. Federzehent, Hühner- und Sichelgeld, Zettel- und Preßgeld wurden abgeschafft, ebenso der Zwang, nur die herrschaftlichen Mühlen zu benutzen.

Das Dorf hatte von Michaeli bis Weihnachten das Weinschankrecht, Bauholz bekamen die Untertanen von der Herrschaft gratis zugeteilt, Brennholz konnten sie als dürres Klaubholz aus dem Wald holen. Die Eichelmast war gestattet. Es gab noch immer die Prügelstrafe, etwa 12 Stockstreiche für denjenigen, der nicht zur Robot erschien.

Unter den Esterhazy wurden die herrschaftlichen Betriebe ausgebaut. Um 1700 gab es in Kobersdorf einen Meierhof, eine Hofmühle und zwei Hofmühlen in Stoob. mIn Tschurndorf bestand ein großer Kalkofen. Ende des 18. Jahrhunderts entstand in Kobersdorf eine Brauerei und in Stoob eine Majolikafabrik, die aber bald wieder eingestellt wurde. Der starke Anstieg des herrschaftlichen Schafbestandes hatte Konflikte um die Weiderechte zur Folge. UM 1800 gab es Meierhöfe in Kobersdorf und Stoob, jeweils mit Hofstadeln und Körnerkasten. Auch Teile des Schlosses wurden als Schüttraum verwendet. 1801 hatte die Herrschaft 142 ha Eigenfelder, von denen sie 108 ha selbst bewirtschaftete. In Kobersdorf gab es eine Schweizerei und und in Stoob und in Kobersdorf je einen Schafflerhof. Herrschaftliche Wirtshäuser bestanden in Kobersdorf, Weppersdorf, Stoob und auch in Oberpetersdorf. In Kobersdorf bestand eine herrschaftliche Sägemühle mit Tuchwalke. Brauhaus und Kalkofen bestand auch weiterhin, die Ziegel lieferte der herrschaftliche Ziegelofen in St.Martin.

Der Weinbau, schon zuvor nicht sehr bedeutend, erlebte im 18. Jahrhundert einen Niedergang. Immer wichtiger wurde hingegen die Holzwirtschaft. Die zuvor geplünderten Forste konnten sich einigermaßen erholen. Es wurde Binderholz gewonnen und von den Bauern in Heimindustrie große Mengen an Weingartenstecken erzeugt. Um 1900 gab es 5 halbe Höfe mit 8 -12 und 18 Viertelhöfe mit 5-7 Joch Grund, 21 Höfe hatten weniger als ein Viertelhof, die Hofstätten hatten 1 bis 3 Joch Grund. Der Grundbesitz der Bauern war also äußerst klein. So waren viele Bewohner schon im 19. Jahrhundert gezwungen, sich einen anderen Erwerb zu suchen. Weithin bekannt waren die Oberpetersdorfer Töpfer. Die Töpferei blühte vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die 1870er und 1880er Jahre. Am Höhepunkt der Entwicklung waren 11 Hafnermeister tätig. Sie waren in einer Zunft zusammengeschlossen. Die Zunftlade ging leider beim "Großen Wasser" verloren. Hergestellt wurde Siedegeschirr, durchwegs glasierte Ware. Eine Besonderheit war die Weißgeschirrerzeugung. Besonders schöne Krügel wurden bis weit nach Österreich und Ungarn verkauft. Neben der Töpferei waren auch viele Petersdorfer als Maurer und Zimmerer beschäftigt. Das Problem für sie war der Verkehrsanschluss. Sie mussten zu Fuß etwa 5 bis 6 Stunden zu den nächsten Bahnhöfen in Wr. Neustadt oder Marz gehen. Im Winter fanden viele im Wald Arbeit, Frauen waren in der Baumschule beschäftigt.

Aus Oberpetersdorf gibt es ein interessantes rechtsgeschichtliches Dokument, das "Oberpettersdorffer gemain buch". Es wurde um 1730 vom damaligen Richter Märth Reiter geschrieben. Es enthält eine Schwör- und Eidesformel und insgesamt 62 Rechtsbestimmungen.

Das große Wasser

1795 und 1831 gab es schwere Überschwemmungen. Sie wurden aber bei weitem übertroffen von den Ereignissen am 5. und 6. Juni 1895. Eine 3-4 m hohe Welle zerstörte viele Häuser, die Hälfte der Bevölkerung wurde obdachlos. Der Schaden betrug 200 000 Gulden. In Schwarzenbach, Petersdorf und Kobersdorf ertranken 30 Menschen. Dazu kam 1895 eine Diphterieerkrankung, der viele Kinder zum Opfer fielen.

In der Nachkriegszeit wurden von der Gemeinde folgende Projekte in Angriff genommen: 1950 die Stromversorgung, 1952 wurde der hölzene Glockenstuhl durch ein Massivbauwerk ersetzt, 1959 die Gemeinschaftskühlanlage und eine Viehwaage, 1957 die Milchsammelstelle errichtet, 1958 das erste Rüstauto und eine Motorspritze für die Ortsfeuerwehr gekauft. 1960-62 erfolgte der Neubau der Volksschule, der Baubeginn der Kanalisation für die Ortsflächenentwässerung und die Errichtung des neuen Sportplatzes. 1964 begann der Straßenausbau, 1967-69 der Bau des Gemeindehauses mit 3 Wohnungen. 1970-71 der Weiterbau der Ortsstraße, die Errichtung der Ortswasserleitung, der Ausbau der Abwasserkanalisationsanlagen und der schrittweise Ausbau der Gemeindestraßen. Ende des Jahres 2002 wurde der Stra0enausbau fertiggestellt. Übergabe eines neuen Rüstfahrzeuges für die freiwillige Feuerwehr Oberpetersdorf im Mai 2003. (

Bevölkerungsentwicklung

1828 hatte Oberpetersdorf 352 Einwohner, 1863 417, 1881 387 in 68 Häusern; 45 Einwohner waren abwesend. Von den 357 Einwohnern im Jahre 1900 waren 293 evangelisch, 76 katholisch und 6 Juden. 1910 betrug die Einwohnerzahl 436, 1923 510, 1934 522. 1951 waren von den 542 Einwohnern 393 evangelisch, 132 katholisch.

 
ortslage

 

Quellen

  • Riedl, Adalbert: Zur Geschichte meines Heimatortes Oberpetersdorf. IN: Volk und Heimat Nr.3 (1951) - 24 (1961) Fortsetzungsaufsatz

  • 750 Jahre Oberpetersdorf : 1222 - 1972 ; [Festschrift] / [Hrsg. v. Gemeinde Kobersdorf. F. d. Inhalt verantw. Edmund Unger]

  • Feymann, Walter: Geschichte der Herrschaft Kobersdorf/Burgenland von ihren Anfängen bis zur Übernahme durch Fürst Palatin Paul Esterhazy. Diss. 1970

  • Kobersdorf : ein Ort in seiner Geschichte, Tradition und Entwicklung / Margarethe Hausensteiner. [Hrsg.: Gemeinde Kobersdorf]