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Keltisierung

Keltische Stämme sind frühestens mit Ende der Hallstattzeit im Karpatenbecken nachweisbar. Erst im Zuge der großen Keltenwanderung gelangten sie und mit ihnen die La  Tène - Kultur in das Gebiet östlich der Alpen. Über die Vorbevölkerung ist aus antiken Quellen nur wenig bekannt, die Archäologie hat aber die dichte Besiedlung und die hohe Kultur der Hallstattzeit bewiesen, wobei der Osthallstattkreis stark von Einflüssen aus dem Osten, aus dem Steppengürtel, geprägt war. Die ethnische Zugehörigkeit der Menschen der Hallstattzeit ist ein besonderes Problem der Forschung. Sie werden als "Illyrer" bezeichnet, ein Begriff, der aber umstritten ist. Die Einwanderung der Kelten entlang der Donau dürfte nach älterer Ansicht in den 80er Jahren des 4. Jahrhunderts begonnen haben (etwa gleichzeitig mit der Eroberung Roms durch die Kelten). Die moderne Archäologie hat allerdings die Vorstellungen von der Einwanderung der Kelten deutlich modifiziert. Neben österreichischen und slowakischen Fundorten zeigen vor allem die Ausgrabungen von Ödenburg - Krautacker ein Weiterbestehen  und eine Weiterentwicklung der hallstattzeitlichen Kultur und eine allmähliche La Tènisierung der nichtkeltischen Vorbevölkerung. Die Keltisierung dürfte zunächst  vor allem die Kleine Ungarische Tiefebene erfasst haben. Die antiken Quellen nennen im Hinblick auf die ostkeltische Einwanderung in das Karpatenbecken keine Stammesnamen. Es dürften kriegerische Gruppen unterschiedlicher Herkunft gewesen sein, vielleicht in der Form von Gefolgschaftsverbänden. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts konsolidierte sich die keltische Macht im Bereich des heutigen Westungarn bis zur Donau. Darauf weist die Entstehung lokaler Werkstätten der Bronzekunst und der Töpferei hin.

Expansion nach Südosten

Von Westungarn aus erfolgte dann die keltische Expansion nach Osten, in Richtung Großer Tiefebene, und in Richtung Balkanhalbinsel. Im Osten des Karpatenbeckens stellten die Kelten wahrscheinlich nur eine dünne Herrscherelite.  Die Kelten, die nach Strabon Alexander der Große im Jahre 335 v. Chr. während seines thrakischen Feldzuges empfing, dürften aus dem heutigen Westungarn gekommen sein. Das Heer des Belgios, das laut Pausanias den  makedonischen König Ptolenaios Keraunos besiegte, kehrte in die keltische Heimat im Karpatenbecken zurück. Auch die Scordisker, deren Kriegszug nach Süden misslang, kehrten in ihr "antiqua patria", ihre alte Heimat zurück. Im ausgehenden vierten Jahrhundert sammelten sich im Karpatenbecken Kelten verschiedenster Herkunft Rheinland, Bayern, Böhmen) zum Vorstoß in Richtung Makedonien und Griechenland. Die Kriegszüge erreichten Delphi und keltische Kriegergruppen (Galater) ließen sich in Kleinasien nieder.Keltische Gruppen erreichten Olbia am Schwarzen Meer, die untere Donau und das heutige Moldawien. Keltische Söldner kämpften damals in allen Kriegen der östlichen Mittelmeerwelt.  Die keltische Welt erreichte ihre größte Ausdehnung.

 Gesellschaft und Kultur der Ostkelten

Von der führenden Rolle der keltischen Krieger zeugen vor allem großartige Grabbeigaben, etwa reich verzierte Schwertscheiden, Armringe und Ringe, zweirädrige Kriegswagen. Der goldene Halsring von Gajic in Kroatien gehört zu den schönsten Stücken (ungarisches Nationalmuseum in Budapest). Ohne Zweifel wurden in diese keltische Kultur Elemete der Vorbevölkerung und der Nachbargebiete aufgenommen. Auch die Münzprägung, die um die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. einsetzte, folgte griechischen Vorbildern. Der Bronzeschmuck, mit Pseudofiligran verziert, folgte Vorbildern aus dem Balkanraum. Verzierungen mit Tierkampfszenen weisen auf den "skythischen" Raum, ja selbst aus Italien kamen Einflüsse, etwa in Gefäßformen und -verzierungen.

Die Einwanderung der Boier nach ihrer Niederlage durch die Römer 191 v. Chr. hat die Kräfteverhältnisse im westlichen Karpatenbecken neu  gestaltet. Dieses Ereignis und auch die Art der Inbesitznahme ist in der Forschung noch immer umstritten. Tatsache ist jedenfalls, dass die Nachkommen der Boier im nordwestlichen Teil Pannoniens, im Bereich des Nordburgenlandes und auch des benachbarten Niederösterreich lebten. Nach Strabon und anderen antiken Quellen lebten im Südwesten die Taurisker, im Südosten die Skordisker. Es waren dies wahrscheinlich lockere Bündnisse unterschiedlicher Völker.

Die Zeit der Oppida

In der letzten Phase der La Tène - Zeit, ab etwa 130 v. Chr. bis zur römischen Eroberung scheint sich vor allem die Siedlungsstruktur des keltischen Pannonien verändert zu haben. Man interpretiert dies gerne als eine Folge der kriegerischen Züge der germanischen Kimbern durch das Land. Es entstanden befestigte keltische Siedlungen, oppida. Einige dieser "protourbanen" Siedlungen dürften aber schon früher, im Gefolge wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen entstanden sein. Dies zeigten vor allem die neueren Ausgrabungen von Velem Szentvid (St. Veit bei Güns, direkt an der burgenländischen Grenze). Die dortige stadtähnliche Siedlung bestand aus einer Vorstadt, auf Terrassen angelegten Unterstadt und einer Hochburg.  

Der Zusammenbruch der keltischen Vormacht

Nach neuerer Ansicht wurde der Niedergang der keltischen Macht im Karpatenbecken nicht zuerst von den gegen die Scordisker vordringenden Römer als vielmehr durch die Daker  unter König Burebista ausgelöst. Nach Strabon besiegte Burebista zunächst die Skordisker und dann die verbündeten Boier und Taurisker. Die entscheidende Schlacht fand wahrscheinlich bei Preßburg statt. Das Oppidum wurde jedenfalls Mitte des 1. Jahrhunderts zerstört und die Archäologen fanden Hinweise auf ein großes Massaker. Mit dem Tod Burebistas im Jahre 44 v. Chr. endete die dakische Bedrohung. Ein Teil der Boier könnte mit den Helvetiern nach Gallien abgewandert sein. Die spätere Bezeichnung "Boierwüste" (deserta boiorum) für das Gebiet im Nordwesten muss jedoch keineswegs für eine Entvölkerung sprechen. Gemeint war wohl eher der steppenhafte Charakter weiter Landstriche. Die früher unter boiischer Oberherrschaft stehenden Völker erschienen nun unter ihrem eigenen Namen: die Eravisker im Donauknie, die Hercuniaten nördlich der Donau, die Oser, Kotinerund Anartier. Östlich der Donau, in der Großen Tiefebene, tauchten die sarmatischen Jazygen iranischer Herkunft auf. 

Das Gebiet Pannoniens vor der römischen Eroberung

Der Begriff "Pannonier" war wohl zunächst ein Sammelname für illyrische Stämme, die zwischen Drau und Save lebten. Polybios nannte sie Pannonioi, Tibull verwendete die Bezeichnung erstmals in der lateinischen Sprache. Sie werden als wild und kämferisch, aber auch arm, in einem rauen Klima ohne Ackerbau lebend beschrieben. Mit der Gründung von Aquileia 181 v. Chr. rückten sie immer mehr in das Bewusstsein der Römer. Bald hatte man genaue Kenntnis von der Geographie und der Bevölkerung dieser Region, die die Römer Illyria, die Griechen Illyris nannten. 167 v. Chr. wurde das Gebiet Protektorat und wahrscheinlich unter Caesar Provinz. Strabon gibt in seiner Geographica eine Aufzählung der Stämme Pannoniens: Breuker, Andizetier, Ditionen, Peiruster, Mazäer, Daisitiater und andere. Pannonia war zunächst eine geographischer und literarischer Begriff. In griechischen Quellen gibt es Begriffe wie Pannones, Paiones auf, die für die Bewohner der Regionen nördlich von Makedonien verwendet wurden. Der Name wurde verschieden gedeutet, etwa vom Gott Pan abgeleitet, Cassius Dio leitet ihn von einem Kleidungsstück ab - Leibröcke, die sie angeblich aus Stücken alter Oberkleider zusammennähten. Cassius Dio war zwischen den Jahren 224 und 228 Statthalter  (legatus Augusti legionis) in Pannonia Superior, kannte also das Land gut. Die Lebensverhältnisse in Pannonien beschreibt er in düsteren Farben: "...sie führen das elendeste Leben von allen Menschen, Denn was Boden und Klima angeht, haben sie es schlecht; sie pflanzen keinen Ölbaum und erzeugen auch keinen Wein, es sei denn ganz weinig und dann von schlechtester Sorte, da sie ja den größten Teil des Jahres in bitterstem Winter leben; sie essen und trinken vielmehr gleichermaßen Gesrte als auch Hirse. Doch gelten sie als die Tapfersten von allen Menschen, die wir kennen; da sie ja nichts besitzen, was ein ordentliches Leben lohnend macht, sind sie äußerst leidenschaftlich und blutdürstig ..."

Plinius spricht in einer Zeit als das Gebiet  bereits in das römische Reich eingegliedert war, von zwei geographischen Einheiten, von Dalmatien und Pannonien. Er erwähnt den Lacus Pelso, den Plattensee, die Save und deren Nebenflüsse Kupa und Bosut. sowie die Drau. Unter den Völkern Pannoniens zähtl er auf: an der Drau die Serreten, Serapiller, Iaserund Andizeten, an der Save die Kolapianerund Breuker. In Pannonien lebten ferner die Völker der Arabiaten, Azaler, Amantiner, Belgiten, Katarer, Kornakaten, EraviskerHerkuniaten, Latobiker, Oseriaten und Varkianer. Er erwähnt ferner schon drei Coloniae: Sabaria, Emona, Siscia. Als Oppidum bezeichnet er Scarbantia Julia und Sirmium.

Die Eroberung vollzog sich in mehreren Phasen. Caesar plante einen Dakerfeldzug, Oktavian eroberte das strategisch wichtige Siscia, das zur militärischen Basis wurde. Von hier aus zog Tiberius 15 v. Chr gegen die Skordisker. Schon 35 v. Chr. hatten die Römer damit begonnen, eine Straße in Richtung Sisca zu bauen, die Via Gemina. Das Savetal wurde zur wichtigsten  West - Ost - Verbindung. Wichtiger als die militärische Beherrschung war der Handel, vor allem entlang der Bernsteinstraße und nach Noricum.

 

 

 

 

Grafik / Karte

 

 

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Quellen

  • Miklós Szabó, Bevor die Römer kamen. In: Lászlo Borhy, Die Römer in Ungarn. Darmstadt 2014
 
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